Es besteht weltweit keine einheitliche Definition für Hitzewellen. Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz orientiert sich an der amerikanischen Definition. Gemäss MeteoSchweiz spricht man hierzulande von einer Hitzewelle, wenn das Warnkriterium der Stufe 3 erreicht wird, d. h. wenn mindestens drei Tage in Folge eine mittlere Tagestemperatur (Tmean) von 25 °C oder höher vorliegt. In Tmean sind auch die nächtlichen Temperaturen berücksichtigt, da die Abkühlung – oder eben das Nicht-Abkühlen – während der Nacht den menschlichen Organismus erheblich beeinflusst.
Unabhängig davon gilt als Faustregel, dass erhebliche Gefahr für den Körper besteht, sobald die Temperaturen tagsüber 25°C und nachts 20°C nicht unterschreitet.
Hitze ist eine erhebliche Belastung für alle Organsysteme. Insbesondere das Herz-Kreislaufsystem kann durch die Anforderungen der Wärmeregulation überlastet sein. Wenn die Umgebungstemperatur und die Luftfeuchtigkeit hoch sind, ist die Wärmeabgabe des Körpers vermindert und der Körper kann überhitzen. Durch vermehrtes Schwitzen kommt es zu einem hohem Flüssigkeits- und Salzverlust, was bei ungenügender Flüssigkeitsaufnahme zu einem schweren Wassermangel im Körper mit Organversagen führen kann. Ebenfalls kann Hitze zu einer Zunahme von Infektionskrankheiten führen, da Hitze eine schnellere Verbreitung von Viren und Bakterien begünstigt. Zudem mindert Hitze die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, die Konzentrationsfähigkeit und Produktivität am Arbeitsplatz.
Die Symptome sind abhängig von der Hitzebelastung und der körperlichen Verfassung der Person. Mögliche Warnzeichen einer Hitzebelastung sind Hautrötung, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrung, Desorientierung, erhöhte Körpertemperatur, Übelkeit und Erbrechen, Muskelkrämpfe und Bewusstlosigkeit. Die schwerste Form ist der Hitzeschlag, bei welchem eine Körperkerntemperatur über 40°C, ein eingetrübtes Bewusstsein bis zur Bewusstlosigkeit, ein tiefer Blutdruck mit Minderdurchblutung der Organe auftreten und bis zum Tod führen kann.
Besonders betroffen sind ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Menschen mit psychiatrischen und/oder chronischen Erkrankungen sowie Suchterkrankte oder alleinstehende Personen. Schwangere zählen ebenfalls zur Risikogruppe, da höhere Temperaturen mit vermehrten Schwangerschaftskomplikationen in Verbindung gebracht wurden.
Weiter gefährdet sind Personen, welche sich körperlich betätigen, wie Sportlerinnen und Sportler oder Menschen, die sich (berufsbedingt) viel im Freien aufhalten.
Stellen Sie sicher, dass Fenster, Rollläden, Jalousien, Thermometer, Ventilatoren, Klimaanlagen, Kühlschränke und Gefriertruhen einwandfrei funktionieren. Informieren Sie sich täglich über die Wettervorhersage. Konsultieren Sie die Website Gesundheit und Hitze (be.ch) für aktuelle Informationen und Hitzewarnungen. Kümmern Sie sich vermehrt um Risikopersonen in Ihrem Umfeld.
Die drei goldenen Regeln des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) lauten:
1. Körperliche Anstrengungen vermeiden
- Körperliche Aktivität während der heissesten Tageszeit möglichst beschränken und schattige Orte bevorzugen.
2. Hitze fernhalten – Körper kühlen
- Räume kühl halten. Lüften früh am Morgen und in der Nacht. Tagsüber Fenster und Rollläden schliessen. Einen Ventilator verwenden, um die Luft zirkulieren zu lassen.
- Leichte, lockere Kleidung tragen.
- Den Körper mit nassen Tüchern auf Stirn oder Nacken, Duschen, oder Arm-/Fussbädern kühlen.
- Wenn die Wohnung nicht gekühlt werden kann, planen Sie, sich während der heissesten Stunden an einem kühlen oder sogar klimatisierten Ort aufzuhalten (schattige Plätze, Kaufhäuser, Kinos, Kirchen, Pärke...).
- Lassen Sie niemanden, insbesondere keine Kinder oder Tiere in einem geschlossenen Fahrzeug zurück.
3. Viel trinken – leicht essen
- Regelmässig trinken (mind. 1,5 Liter pro Tag), auch ohne Durstgefühl (falls nicht anders ärztlich verordnet).
- Keine alkoholischen, stark gezuckerten oder eisgekühlten Getränke. Diese belasten den Körper zusätzlich.
- Leichte Mahlzeiten mit viel wasserreichen Früchten und Gemüse zubereiten und über den Tag verteilt essen.
- Verderbliche Nahrungsmittel im Kühlschrank aufbewahren.
- Leicht gesalzene Speisen oder Bouillon zu sich nehmen, um den Salzverlust durchs Schwitzen auszugleichen (falls nicht anders ärztlich verordnet).
Wenn Sie Medikamente einnehmen, überprüfen Sie die Dosierung zusammen mit Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt.
Achten Sie besonders auf Risikopersonen in Ihrem Umfeld, informieren Sie sie über die Präventionsmassnahmen und kümmern Sie sich vermehrt um sie.
Die Informationsflyer des BAG können unter folgendem Link eingesehen und bestellt werden: Broschüren und Poster zu Hitzewelle und Gesundheit (admin.ch)
- Bei Unwohlsein, Durst, Schwindel, Schwäche, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit sollte sich die betroffene Person in einer kühlen und schattigen Umgebung hinlegen, den Körper mit feuchten Tüchern und einem Luftzug kühlen, sowie frisches kühles Wasser trinken. Bei Schwindel und tiefem Blutdruck können die Beine hochgelagert werden. Bei ausbleibender Besserung sollte ein Arzt / eine Ärztin verständigt werden.
- Bei Muskelkrämpfen helfen elektrolythaltige Flüssigkeiten (z.B. isotonische Getränke, Elektrolytlösungen) und Magnesium. Eine Elektrolytlösung kann auch selbst hergestellt werden: 1L Wasser, 1 gestrichener Teelöffel Kochsalz, 7-8 Teelöffel Traubenzucker oder Haushaltszucker
- Wenn die Person nicht mehr richtig ansprechbar und/oder das Bewusstsein getrübt ist, oder der Puls hoch ist bei tiefem Blutdruck sollte eine Ambulanz gerufen werden (Telefonnummer: 144).
Bei älteren Personen über 75 Jahren tragen verschiedene Faktoren zur besonderen Gefährdung bei. Ältere Personen schwitzen durch vermindertes Hitzeempfinden erst spät und auch weniger stark. Somit ist der körpereigene Mechanismus zur Kühlung nicht mehr so effizient wie bei Jüngeren. Zusätzlich ist das Durstgefühl bei älteren Menschen verringert, was eine Austrocknung (Dehydratation) begünstigt.
Als Konsequenz einer ungenügenden Flüssigkeitsaufnahme können beispielsweise Schwindel, Blutdruckabfälle, Bewusstseinsstörungen, Nierenfunktionsstörungen oder ein Kreislaufkollaps auftreten. Eine Hitzebelastung kann sogar bis zum Tod führen.
Häufig bestehende chronischen Erkrankungen sowie die Einnahme von bestimmten Medikamenten erhöhen das Risiko von älteren Personen zusätzlich.
Ältere Personen sollten bei chronischen Krankheiten oder medikamentöser Behandlung Ihren Arzt / Ihre Ärztin konsultieren, um Vorsichtsmassnahmen zu diskutieren (z.B. Anpassung der Dosierung oder Aussetzen eines bestimmten Medikamentes), da einige Medikamente die Symptome einer Dehydratation oder eines Hitzschlags verschlimmern können. Zudem sollte darauf geachtet werden, regelmässig auch ohne Durstgefühl zu trinken, so dass eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung (mind. 1-1,5 L falls nicht anders ärztlich verordnet) gewährleistet werden kann.
Die Lagerungstemperatur von Medikamenten sollte beachtet werden. Die gängigsten Medikamente haben eine Lagerungstemperatur von < 25 - 30°C. Diese Medikamente sind grundsätzlich jedoch nicht sehr empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen und eine einmalige Überschreitung der Temperatur (von einigen Tagen bis zu einigen Wochen) hat meist keine Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Medikamente.
Medikamente können die Verletzlichkeit von Personen gegenüber starker Hitzeeinwirkungen verstärken. Die Ursachen dafür sind vielfältig und abhängig vom Wirkungsmechanismus der Medikamente. Beispielsweise können Medikamente die Wärmeregulation und die Schweissproduktion verändern, den Blutdruck senken oder auch den Flüssigkeits- und Salzhaushalt des Körpers beeinflussen.
Bei folgenden Medikamentenklassen ist besondere Vorsicht geboten. Bitte konsultieren Sie ihren betreuenden Arzt/Ärztin und besprechen Sie das Vorgehen während Hitzewellen:
- Medikamente für Herzkreislauferkrankungen: Diuretika (wassertreibende Medikamente) können eine einen Flüssigkeitsmangel begünstigen (Dehydratation), Blutdruckmedikamente können zu einem plötzlichen Blutdruckabfall führen, Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen können bei Dehydratation toxisch (giftig) sein.
- Medikamente für psychische Erkrankungen: Neuroleptika verändern die Wärmeregulation. Lithium kann bei Dehydratation toxisch sein.
- Medikamente für Epilepsie können bei Dehydratation toxisch sein.
- Medikamente für Migräne können die Wärmeregulation beeinträchtigen.
- Schmerzmittel der Klasse der nicht-steroidalen Antirheumatika (z.B. Ibuprofen, Diclofenac (Voltaren), Aspirin) können bei Dehydratation die Nierenfunktion schädigen.
- Gewisse Medikamente gegen Depressionen, Parkinson, Inkontinenz oder Allergien können die Schweissproduktion vermindern und somit die Wärmeregulation beeinträchtigen.
In Städten ist es oft heisser als im Umland, da sich Beton und Asphalt stark aufwärmen und Hitze abgeben. Einige öffentliche Plätze und Gebäude sind im Sommer kühler oder verfügen über eine Klimaanlage. Beispiele dafür sind Bibliotheken, Gemeindezentren, Kulturzentren, Kirchen, Museen, Kinos oder Einkaufszentren. Naherholungsräume, Wald oder Grünflächen, Freibänder und Wasserflächen/Gewässer stellen ebenfalls Orte mit kühleren Temperaturen dar.
Sportliche Betätigung bei hohen Temperaturen erhöht das Risiko eines Hitzschlags oder einer Überhitzung, die bis zum Tod führen kann. Dabei handelt es sich um einen übermässigen Anstieg der Kerntemperatur (Temperatur >40°C) nach einer intensiven Anstrengung. Sie wirkt sich auf die Regulationssysteme des Körpers aus und beeinträchtigt die Körperfunktionen. Betroffen sind alle Sportarten und körperlichen Aktivitäten an allen Orten, an denen sie stattfinden: im Freien, in geschlossenen Räumen, in den Bergen etc. Das Risiko einer Überhitzung ist für Personen mit schlechter körperlicher Verfassung oder chronischen Krankheiten am grössten, betrifft aber auch gut trainierte Sportlerinnen und Sportler.
Körperliche Aktivität wird während einer Hitzewelle nicht empfohlen, insbesondere nicht während den heissesten Stunden des Tages. Zu diesen Zeiten sind zusätzlich zu den Temperaturen die Ozonkonzentrationen hoch und stellen einen zusätzlichen Risikofaktor dar. Es wird daher empfohlen, körperliche Aktivität für den frühen Morgen zu planen, bevor die Temperaturen zu hoch werden. Die Haut, der Kopf und die Augen sind mit leichter Bekleidung, einer Kopfbedeckung und Sonnencreme sowie einer Sonnenbrille bestmöglich vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Zudem ist eine regelmässige und ausreichende Flüssigkeitszufuhr angezeigt. Beim Schwitzen gehen Körpersalze verloren. Diese sollten durch natriumreiches Mineralwasser, isotonische Getränke oder salzige Nahrungsmittel wieder zugeführt werden. Zudem wird empfohlen, für Abkühlung durch Wasser oder nasse Handtücher und regelmässige Pausen im Schatten zu sorgen.
Weitere Informationen unter: Arbeit und Sport
Der Arbeitgeber ist nach dem Gesetz verpflichtet, alle Massnahmen zu treffen, um den Gesundheitsschutz zu wahren und die Mitarbeitenden vor Unfällen oder Erkrankungen zu schützen. Dies gilt auch für Hitzeeinwirkungen.
Wichtige Informationen und Empfehlungen für den Umgang mit Hitze bei der Arbeit insbesondere bei Arbeit im Freien finden Sie hier: Arbeit und Sport
In den Sommermonaten steigt die Ozonbelastung. Das farblose Gas reizt Augen und Atemwege. Zwischen Mittag und Abend ist die Belastung am grössten. In der Nacht baut sich Ozon wieder ab.
Folgende Massnahmen werden daher empfohlen:
- Körperliche Anstrengungen am frühen Morgen oder späten Abend
- Sport im Wald oder Park